Erstmal konnte ich mir ein lachen nicht verkneifen als ich gestern die IWB in der Hand hatte und die fette Headline "Affiliate-Betrug nimmt zu!" gelesen habe...
Dann hab ich angefangen zu lesen und das Ding erstmal wieder kopfschüttelnd zur Seite gelegt.
Nicht genug, dass man innerhalb mancher Unternehmen schon Probleme hat Affiliate-Marketing zu argumentieren, weil das Prinzip dahinter einfach immer noch nicht verstanden ist - nein, da kommt noch so eine vermeintlich seriöse Branchenzeitung mit so einer reißerischen Überschrift daher.
Danke, Internetworld-Business! Ich hoffe nur, die Verantwortlichen wissen den Artikel richtig zu lesen und zu deuten... Sonst müssen arme Affiliate-Manager dasitzen und die letzten 50000 Sales nochmals nachvollziehen und den Traffic von tausenden von bösen Affiliates auf Herz und Nieren prüfen (und zwar jeden einzelnen Klick und Referer!).
Demletzt hatte ja die W&V schon sehr negativ über die bösen Cookie-Dropper
berichtet.
Was soll denn der Quatsch? Laufen den TKP-Vermarktern und Mediaagenturen die Kunden davon? Nur weil der Kunde sich eben nicht mehr verkackeiern lassen will und lieber Performance-abhängig für Leistung bezahlt und sich nicht mehr von Agenturen mit tollen Konzepten zu Image-Kampagnen übern Tisch ziehen lassen will?
Fragt sich, was denn nun tatsächlich schlimmerer Betrug ist: ein paar Kekse mehr zu werfen (nennen wir es mal Cookie-Dropping oder Postview-Tracking) und trotzdem nur pro Sale vergütet zu werden oder TKP-basiert für richtig teuer Geld abzurechnen und vielleicht ganz nebenbei ein paar Impressions mehr zu erzeugen? Bei Beträgen von bis zu 40€/TKP kann das ganz schön ins Geld gehen.
Ein kleines Rechenbeispiel:
Nehmen wir doch mal an, es werden 1Mio AdImps generiert.
Beim Affiliate-Marketing sieht die Rechnung so aus: bei einer Salesrate von erfahrungsgemäß 0,001% (Sales/Views) sind das gerade mal 10 Sales.
Der Einfachheit halber sagen wir mal, der durchschnittliche Warenkorb liegt bei 100€ und die Provisionsrate bei 10%.
Kosten/Sale=CPO=10€, Gesamtkosten: 10 Sales*10€=100€ für 1.000.000 AdImps
=> Nach Adam Riese ist
TKP=10ct
So, nun nehmen wir mal die Vermarkter bei denen wir ebenfalls 1Mio. AdImps buchen:
Der Einfachheit halber nehmen wir mal an
TKP=10€, Kosten=10.000€, die Klickrate sei 0,1%, die Konversionsrate (Sales/Klicks) liege bei gut gemeinten 1%.
1Mio*0,001=1.000 Klicks => 1000*0,01=10 Sales
10.000€/10Sales=
CPO=1000€
So, Herr Bscheid, welcher BWLer kapiert diese einfache Rechnung nicht? Denn laut Ihrer Aussage sind Wirtschaftswissenschaftler vor allem "mit der Technik hinter dem Affiliate-Marketing komplett überfordert". Schön, dass den armen Akademikern nicht mal das zugetraut wird.
Wen interessieren da denn bitte ein paar "maschinengenerierte" Klicks mehr oder weniger? Soviel zum Thema Cookie-Dropping und Postview-Tracking. Natürlich gibt es ncoh ein paar andere Argumente wie Einbindung im sichtbaren Bereich, Imagewirkung von Werbung auf nicht erwünschten Seiten, blablabla....
Aber hey, wenn mich das interessiert, habe ich 1. Möglichkeiten zu analysieren, woher der Traffic kommt und 2. bespreche ich das mit meinem Affiliate und wenn er sich nicht dran hält, dann ist er schneller wieder raus aus dem Programm als er kucken kann.
Die Vermarkter machen es mir da schon schwerer, wenn man "run over network"- oder "blind network"-Schaltungen bucht. Aber das nur am Rande bemerkt.
Desweiteren spricht der gscheite Herr Bscheid, seines Zeichens übrigens GF der Agentur
MediaScale und Performance-Marketing-Spezialist (?), von Betrug durch Doppelprovisionen. Hallo? Wer ist denn heutzutage noch so doof und vergütet Provisionen doppelt? Dazu brauch ich ja nichtmal ein eigenes, separates Tracking... Wer sich so übers Ohr hauen lässt, ist selber schuld.
Aber auch hier ist zu sagen: Zahle ich nicht manchmal sowieso doppelt und dreifach, weil ich Werbung bei Google schalte, Affiliates für mich werben, ich Media auf TKP-Basis über verschiedene Vermarkter buche, Newsletter verschicke etc. etc. - oh, und vielleicht mache ich nebenbei ja auch noch Offline ein bisschen Werbung?
Selbst wenn jede 5. Bestellung bei Affiliates doppelt vergütet würde, würde das nicht den größten Batzen ausmachen, was ich durch mehrfache Erfolgszuweisungen pro Verkauf ausgebe.
Also, was soll die ganze heiße Luft um nichts? Sind das DIE 2 schlagenden Argumente GEGEN Affiliate-Marketing? Cookie-Dropping und Doppelprovisionen? Das ist lächerlich!
Ist alles, was man nicht in vollem Umfang versteht, Betrug und von vorneherein schlecht?
Man muss ja auch nicht immer alles verstehen, deshalb gibt es ja auch Leute und Agenturen, die sich mit sowas auskennen. Ich zum Beispiel kenne mich so gar nicht mit Astronomie, Quantenphysik und ähnlichen Dingen aus... Muss ich aber auch nicht, denn das Erforschen von Urknalltheorien überlasse ich denen, die sich damit auskennen. Also Herr Bscheid, wenn man von irgendwas keine Ahnung hat, dann darf man auch gerne mal die Füße still halten.
Aber stattdessen fiese Hetze gegen performance-abhängige Vergütungsmodelle und Vertriebskanäle? - so funktioniert's sicherlich nicht...
Sicherlich gibt es im Affiliate-Marketing wie in jeder anderen Branche Betrüger, die sich auf Kosten anderer bereichern. Sicherlich sind Betrüger manchmal cleverer und schneller als derjenige, der übers Ohr gehauen wird. Und klar, manchmal ist es aufwändig, nervig und zeitraubend, die entsprechenden Affiliates zu entlarven, aber das hat ja wohl jeder selbst in der Hand, wieviel Zeit und Geld einem die Jagd wert ist.
Sicherlich wäre es am einfachsten, wenn alle ganz lieb und nett und ehrlich wären und ich mich nicht mit der Materie in voller Komplexität auskennen müsste, um die nicht ganz so lieben und weniger netten und eben unehrlichen dingfest zu machen.
Henning zieht übrigens seine Konsequenzen und
kündigt sein IWB-Abo...

Außerdem aufgeregt haben sich:
Marcus,
Markus,
Karsten, die
Superclixer, ein
"gemeiner" Affiliate und
Bibi.
Ehrensache, dass da auch unser
Monti-Man nicht stillsitzen kann und seinen Senf dazu abgibt.
Die
IWB legt nach. Jetzt will sie das Thema Betrug nur zur Diskussion gestellt haben:
"Nimmt der Affiliate-Betrug zu? Die von der INTERNET WORLD Business angestoßene Diskussion nimmt nicht nur auf internetworld.de Fahrt auf, sondern auch in den Blogs zum Thema Affiliate-Marketing." In der Print-Ausgabe liest sich das noch anders - da wird keine Frage zur Diskussion gestellt, sondern wenig fundierte Aussagen als vermeintliche Tatsachen dargestellt.
Inzwischen haben sich noch weitere zu Wort gemeldet:
Dennis,
Linkmafia,
Mario und
Michael.
Außerdem der
Jens mit ganz frischem neuen Blog. Und wer Jens kennt, weiß, was ihn dort erwartet, vor allem, wenn der Blog "Dummlaut" heißt
Vor 14 Tagen berichtete die IWB über Affiliate-Betrug, was hitzige Diskussionen in der Branche auslöste. Jetzt legt die IWB nach und gießt noch mehr Öl ins Feuer. Und ich hatte schon die Hoffnung, Sie stellen ein paar Dinge richtig... Immerhin sind die V
Aufgenommen: Dez 09, 18:00